Meerforellen, Silber der Ostsee.

Endlich war es wieder so weit. Endlich April. Auf geht’s zum Fischen auf Meerforellen an der südschwedischen Küste. Schon lange vorher machten wir uns wiedermal einen Kopf welche Fliegenmuster wir dieses Mal benutzen sollten.


Am 18.04.2015 ging es los. Voller Vorfreude auf eine angelreiche Woche und die Freude unsere alten Freunde vor Ort wiederzusehen, fieberten wir unserem Meerforellentripp entgegen.
Schon gleich am Nachmittag unseres Anreisetages mussten wir zumindest einen Versuch starten , um eine der prachtvoll kämpfenden Meerforellen vielleicht zu erbeuten.

Markus und ich versuchten es mit Fliegenruten, der Marke Scierra, eine Skandinavien und eine ANT Rute der Klasse 8 je mit einer TT Bass Taper/ floating ebenfalls Klasse 8, bestückt.
Stefan versuchte es mit einer Scierra Spinnrute, 3,15m bis 40gr. Und mit einem Küstenwobbler ausgestattet.
So konnten wir vielleicht herausbekommen, wo sich die Fische herumtreiben. Ob sie sich in Küstennähe oder etwas weiter draußen aufhalten.
An einer der zahlreichen Angelstellen an der südschwedischen Küste angelangt, überprüften wir zunächst einmal die Wassertemperatur. 8° sollte auf jeden Fall bedeuten, dass sich mit Sicherheit Nahrung im Uferbereich befinden müsste.
Trotz der umfangreichen Auswahl, versuchten wir es zuerst wieder mit den altbekannten Mustern. Überwiegend fischten wir Shrimpmuster in verschiedenen Farben, sowie verschiedene Farbvarianten der Polar Magnus.
Doch leider konnten wir an diesem Nachmittag nur das fantastische Wetter genießen. 13° Außentemperatur, Windstärke 2-3 von Nord kommend, dennoch sehr mild. Also die äußeren Bedingungen stimmten.

Nach einem leckeren Abendessen, fielen wir hundemüde in unsere Betten und träumten von großen Fängen.

Am nächsten Morgen bereiteten wir alle emsig das Frühstück vor. Nicht so viele unnötige Zeit vergeuden, die Fische warteten sicherlich schon. 8:00 Uhr, alles schnell ins Auto und ab zur nächsten fang trächtigen Stelle.
Wassertemperatur hier 10°, Uhrzeit 8:25 Uhr, super.

Markus fischte mit einer Garnelenimitation, ich benutzte eine Polar Magnus in Pink, Stefan einen Snapp Blinker.
Jeder suchte sich einen vernünftigen Stein auf dem man halbwegs gut stehen konnte und versenkte seinen Köder in der Ostsee.

Keine 10 Minuten später vermeldetet Markus bereits den ersten Fisch. Meerforelle knappe 40cm. Als Start nicht schlecht. Eine halbe Stunde später wieder Fisch bei Markus. Diesmal erreicht die Meerforelle die 55ziger Marke. Und auch noch blank. Super.

Vielleicht sollte ich auch auf Garnelenmuster umsteigen. Vielleicht beim nächsten Fisch den Markus fängt. Mal sehen.

Die erste Stunde verging wie im Flug. Jetzt zuerst einmal Kaffeepause. Das Wetter meinte es auch gut mit uns, 15° leichter Wind von Nord, langsam auf Nordost drehend aber immer noch sehr mild.

Nach einer Stärkung sollte es doch nun auch bei Stefan und mir klappen.

Also ran an die Ruten und die Ostsee konzentriert abfischen. Immer wieder flog meine Eigenkreation der „Polar Magnus“ in die leichten Wellen. Mit kurzem ruckartigen Strips holte ich meine Fliege ein.

Stefan stand ungefähr 30m unterhalb von mir und fischte mit seinem Blinker weiter draußen. Wurf um Wurf fischte er die vordere Kante in etwa 50m Entfernung ab. Kurze Zeit später, Fisch bei Stefan. Der Fisch forderte Stefan einiges ab. Immer wieder unternahm er heftige Fluchten. Ich eilte zu Stefan um ihn bei der Landung zu unterstützen. Nach weiteren bangen Minuten lag der silberblanke Schatz endlich im Kescher. 70cm auf den Punkt. Ein herrliches Kraftpaket. Riesige Freude bei unserem Spezi Stefan. Strahlende Gesichter. Ansporn für uns alle.
Alles wieder auf Start und werfen.
War das nicht ein Zupfer. Jetzt konzentriert weiter fischen. Jetzt, Anhieb. Die erste Meerforelle hing am meinem Haken. Kein Riese aber wunderschön. Knappe 40cm und wiederum blank. Kurze Begutachtung und dann vorsichtig wieder releasen. Und weiter im Text. Wurf um Wurf in die leichte Dünung.
Nach weiteren 30 Min. plötzlich ein heftiger Biss. Meine Rute verbeugte sich ehrfürchtig. Einmal ging es nach rechts, dann dreht der Fisch und flüchtete auf die linke Seite. Und ein Sprung. Achtung bei den Felsen. Mit dem nötigen Druck konnte ich den Fisch wieder in die andere Richtung zwingen. Hier war die Fläche freier, nicht allzu viele Steine. Ich konnte das Kopfschütteln der Meerforelle bis in die Hand spüren. Nur noch wenige Meter vor mir . Stefan wunderte sich warum es so lange dauerte. „ He, was ist los?“

Dann sah ich den Fisch zum ersten Mal. Granate ! Mein Plus schoss hoch. „Stefan, der ist riesig.“
Ein breiter Rücken schob sich an meinen Füssen vorbei. Wieder zog der Fisch die Fliegenleine in Richtung offene See. Erneut konnte ich in abbremsen. Nach langem hin und her, konnte ich den Fisch endlich über und gottlob in den Kescher führen. Ein Aufschrei halte über die Ostsee. Mit zitternden Knien ging ich vorsichtig über die super glatten Steinen. Stefan hatte alles genau mit verfolgt und schon mal den Fotoapparat gezückt. In Ufernähe erfolgte die Begutachtung. Was für eine Prachtforelle. 81cm Silber in meinen Händen.
Ein wirklich toller Fang. Schnell einige Erinnerungsfotos und dann behutsam wieder zurücksetzen. Einen solchen Fisch sollte man nicht für die Küche entnehmen. Die 50ziger bis 60ziger reichen dazu völlig aus.

Es folgten noch weitere drei tolle Tage mit schönen Fängen, insgesamt 10 Fische von 40 bis 68 cm. Doch danach spielte das Wetter leider nicht mehr mit. Der Wind drehte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf Ost, es wurde richtig kalt. Die Wiese vor unserer Unterkunft war am nächsten Morgen gereift. Dieser krasse Temperatursturz; keine gut Vorzeichen.
Noch schlimmer, der Wind hatte auch kräftig zugenommen, Stärke 4 teilweise mit Böen 6, und zu allem war das warme Wasser in Ufernähe auf 5° abgekühlt.
Dies schlug den Meerforellen mächtig auf den Magen. Leider konnten wir in den darauf folgenden Tagen keine Meerforelle mehr landen. Stefan hatte am letzten Tag nochmals zwei vorsichtige Bisse weit draußen, aber dies war's.
Dennoch unser Fazit. Ein herrlicher Angeltrip, tolle Fische und vor allen viel Freude mit Freunden am Wasser.